Gösele
| Veranstaltungstyp | Hauptseminar |
|---|---|
| Schwerpunkte | Mag: F3, F11 // ZEP: A // ZGS: A, B |
| Module | BA: III/2, WP/6 |
| Vorlesungsnr. | 30 |
| Dozent | Andreas Gösele |
| Zeit | Dienstag 19–21 Uhr |
| Stundenzahl | 2-stdg. |
| Raum | Seminarraum 3 |
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| Status: Nicht eingeloggt. Skripten und Foren sind erst nach Anmeldung sichtbar! | |
Thematik
Der Mythos, daß Gemeineigentum notwendigerweise zu einer ineffizienten Verwendung der gemeinsam benutzten Ressource führt, ist alt. Seinen wirkmächtigsten Ausdruck für die neuere Zeit hat er in dem einflußreichen Artikel Hardins zur "Tragödie der Allmende" gefunden, der meint zeigen zu können, daß die Freiheit des Gemeineigentums unausweichlich zu seiner ruinösen Übernutzung führt. Die Lösung wäre
eine Überführung in Privateigentum oder staatlicher Zwang. Dieselbe Logik sozialer Dilemmata eigeninteressierter rationaler Agenten, die in einer Übernutzung von Gemeingütern resultiert, führt auch zu einer Unterversorgung mit öffentlichen Gütern (d.h. Gütern, von deren Konsum sich andere nur unter hohen Kosten ausschließen lassen oder bei denen es keine Konkurrenz im Konsum gibt) und wieder sollen nur Staat oder Markt das Problem lösen können.
Die empirischen Forschungen der Nobelpreisträgerin Elinor Ostrom konnten nun allerdings zeigen, daß es weltweit viele erfolgreiche Erfahrungen mit Gemeingütern gibt und eine Reihe von Bedingungen nahelegen, die für einen solchen Erfolg Voraussetzung zu sein scheinen. Die empirischen Forschungen Ostroms und derer, die das von ihr angestoßene Forschungsprogramm mitverfolgen, stellen zum einen die
theoretischen Modelle in Frage, die lange Zeit die
Wirtschaftswissenschaften dominiert haben, und in weiten Bereichen dies noch heute tun. Zum anderen sind sie auch von großer politischer Relevanz, begründen sie doch - jedenfalls für öffentliche Güter - Zweifel an dem der neoliberalen Agenda zugrundeliegenden Paradigma, nach dem Privatisierung fast notwendig mit Effizienzgewinnen verbunden ist.
Öffentlichen Gütern begegnen wir auf allen Ebenen unseres privaten und öffentlichen Lebens. Die Unterversorgung mit oder die Zerstörung von globalen öffentlichen Gütern ist engsten verbunden mit großen weltweiten Herausforderungen wie z.B. dem anthropogenen Klimawandel oder den Chancen und Gefährdungen der Wissensgesellschaft. Weder Privateigentum, noch staatliche Verwaltung, noch aber auch Gemeineigentum stellen eine Patentlösung für die Probleme der Versorgung mit öffentlichen Gütern dar. Trotzdem bildet die Erforschung der verschiedenen Systeme, die Menschen in verschiedensten Kontexten und Weltteilen dafür gefunden haben, einen hoffnungsvollen Ausgangspunkt für den kreativen und kontextsensitiven Umgang mit den Herausforderungen kollektiver Problemlösung, vor denen wir heute in unseren Gesellschaften und auch weltweit stehen.
Ziel
In unserem Seminar wollen wir uns anhand der Auswahl einiger repräsentativer Arbeiten Ostroms und ihrer Kollegen einen Überblick verschaffen über die Breite und die wichtigsten Elemente des von Ostrom verfolgten und angestoßenen Forschungsprogramms.
Methode
Vorbereitende Lektüre, Kurzreferate und Diskussion.
Voraussetzungen
Mindestens ein Proseminarschein. Bereitschaft zur aktiven Mitarbeit.
Qualifikation
Referat, aktive Mitarbeit in den Sitzungen und Teilnahme an der Diskussion im Forum.
Literatur
Elinor Ostrom, Beyond Markets and States: Polycentric Governance of Complex Economic Systems, Nobel-Prize lecture, 8. Dezember, 2009:
http://www.nobelprize.org/nobel_prizes/economics/laureates/2009/ostrom_lecture.pdf
Anmerkung der Kanzlerin
Voraussetzung sowohl für den Erwerb eines qualifizierten Scheins als auch für die Ausstellung eines Teilnahmescheins (»Sitzscheins«) ist, dass Sie regelmäßig am Seminar teilgenommen haben, d.h. Sie haben bei wöchentlichen Sitzungen höchstens bei zwei Terminen entschuldigt gefehlt.
Wenn nicht anders mit dem/der Seminarleiter/in vereinbart, ist der letzte Abgabetermin für Ihre Seminararbeit im WiSe 2011/12: Freitag, 16. März 2012 und im SoSe 2012: Freitag, 14. September 2012. (Bitte sorgen Sie dafür, dass Sie den Seminarschein rechtzeitig zur Prüfungsanmeldung vorliegen haben!)

