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Riesz

Afrikanischer Nationalismus – von der kolonialen Grenzziehung zum postkolonialen nation building.

Veranstaltungstyp Vorlesung
Schwerpunkte ZGS: C
Module BA: WP/4, WP/6
Vorlesungsnr. 47
Dozent Janos Riesz
Zeit Montag 17–19 Uhr
Stundenzahl 2-stdg.
Raum Hörsaal
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Thematik

Die meisten der heutigen afrikanischen Staaten sind auf dem Territorium und in den Grenzen ehemaliger europäischer Kolonien entstanden. Sie galten deshalb lange als „künstliche Gebilde“, deren (häufige) ethnische und sprachliche Vielfalt dem Zusammenwachsen zu einer Nation entgegenstanden. Tatsächlich lässt sich zeigen, dass schon in der Kolonialzeit die einzelnen Kolonien (proto-) nationale Merkmale der Kohäsion und eines Zusammengehörigkeitsgefühls entwickelten, die nach Erlangung der politischen Unabhängigkeit (um 1960) in ein bewusstes und zielgerichtetes Programm des Nation Building überführt wurden. Äußerlich manifestierte sich diese Tendenz mehrfach in der Wahl eines neuen Namens anstelle des vom Kolonisator ererbten (Ghana statt Goldküste, Mali statt [französischer] Sudan u.a.). Insbesondere den Politikern der ersten Generation fiel dabei eine wichtige Rolle zu: als Taktgeber und „Gründungsväter“ ihrer Staaten waren sie bemüht, den neuen Staaten eine verbindende Ideologie zu geben und geeignete Steuerungs- und Regelungskapazitäten zu entwickeln: „nationale“ Parlamente und Verwaltungen, Wirtschaftsprojekte, Schulen und Universitäten, kulturelle Einrichtungen („nationale“ Theater oder Ballette), Radio- und Fernsehprogramme, nationale Sportmannschafen usw.
In vielen der neuen Staaten machten sich trotzdem wiederholt zentrifugale Kräfte bemerkbar, die bis zum Bürgerkrieg (Nigeria, Elfenbeinküste), der Aufspaltung in zwei Staaten (Sudan) und zum Genozid (Rwanda) gehen konnten. Dennoch kann man nach 50 Jahren politischer Unabhängigkeit sagen, dass die meisten der postkolonialen Staaten Afrikas in ihrem Selbstverständnis und als staatliche Einheit gefestigt sind und sich bis in die Alltagskulturen durch distinkte Merkmale unterscheiden.

Ziel

Die Vorlesung will versuchen, den seit der Kolonialzeit einsetzenden Prozess der Nationwerdung afrikanischer Länder in seiner historischen Entwicklung in den Blick zu rücken und an ausgewählten Beispielen zu verdeutlichen. Dabei soll vor allem auch die je spezifische koloniale Prägung (durch Frankreich, England, Belgien) in den Blick gerückt und ein besonderes Augenmerk auf kulturelle Faktoren (z.B. Film, „Nationalliteraturen“) gerichtet werden.

Methode

Vorlesung. Fragen und Diskussionsbeiträge der Teilnehmer erwünscht.

Voraussetzungen

Interesse am Gegenstand. Bereitschaft zur Lektüre der ausgehändigten Texte. Vertrautheit mit grundlegenden aktuellen Entwicklungen in Afrika (durch Zeitungslektüre u.a.).

Qualifikation

Fremdsprachenkenntnisse (Englisch, Französisch) wären erwünscht.

Zielgruppe

Studenten in den entsprechenden Studiengängen. Am Thema interessierte Gasthörer.

Literatur

Literaturhinweise: Zur Einführung eine der Überblicksdarstellungen Afrikas im 20. Jh.
(Ansprenger, M’Bokolo).

Amselle, Jean-Loup / Elikia M’Bokolo (Hg.) (1985). Au cœur de l’ethnie. – Ethnies, tribalisme et état en Afrique, Paris: La Découverte. - Anderson, Benedict (1983). Imagined Communities. Reflextions on the Origin and Spread of Nationalism, London: Verso. -Ansprenger, Franz (1999). Politische Geschichte Afrikas im 20. Jahrhundert, München: Beck, 3. neu bearb. und erw. Auflage. - Berding, Helmut (Hg.) (1994). Nationales Bewusstsein und kollektive Identität. Studien zur Entwicklung des kollektiven Bewusstseins in der Neuzeit, 2 Bde. (stw 1154), Frankfurt: Suhrkamp. - Bhaba, Homi K. (Hg.) (1990 u.ö.). Nation and Narration, London-New York: Routledge. - Gellner, Ernest (1983). Nationalismus und Moderne , Berlin: Rotbuch. - Manby, Bronwen (2009). Struggles for Citizenship in Africa, London: Zed Books. - M’Bokolo, Elikia (1985). L’Afrique au XXe siècle. Le continent convoité, Paris: Seuil. - Terray, Emmanuel (Hg.) (1987). L’Etat contemporain en Afrique, Paris: L’Harmatten.

Anmerkung des/der Lehrenden

Neben den historischen und politikwissenschaftlichen Texten werden auch literarische Texte von afrikanischen Autoren herangezogen.


erstellt von Cecylia Milewski zuletzt verändert: 13.09.2011 10:29